Der Gemeinderat hat eine Haftung für den bundesligatauglichen Stadionumbau durch die WSG abgelehnt. Statt blind eine Million Euro auf zehn Jahre zu übernehmen, hat die Mehrheit von elf Gemeinderätinnen und Gemeinderäten Verantwortung für Wattens bewiesen.
In der eigens einberufenen Sitzung am 11. August 2026 lehnte der Gemeinderat der Marktgemeinde Wattens die von der WSG beantragte Haftungsübernahme mit den Stimmen von der Bürgerliste neu, Unser.Wattens/NEOS sowie den drei unabhängigen Mandataren ab. Die emotionale Reaktion der bezahlten Klubführung in Person von Manager Sport Stefan Köck, Trainer Philipp Semlic und Geschäftsführer Julian Heiss folgte nach einer kurzen Schockstarre per medialem Rundumschlag. Dabei hatten sich doch alle Beteiligten noch wenige Wochen zuvor so gut wie am gemeinsamen Ziel gesehen? Was war passiert?
WSG hält Bedingungen der Gemeinde nicht ein
26. März 2026: Der Gemeinderat beschließt einstimmig einen neuen Pachtvertrag für das Stadion- und Trainingsareal der Gemeinde mit der WSG. Der Inhalt: Die bundesligataugliche Adaptierung des Gernot-Langes-Stadions wird ermöglicht. Der Gemeinderat stimmt dem Umbau als Eigentümervertreterin ausdrücklich zu. Die Voraussetzung: eine gesicherte Finanzierung der Investitionskosten in Höhe von 6,7 Millionen Euro durch die WSG. Bereits im Vorfeld und wiederholt im Zuge der Abstimmung hatte der Gemeinderat unmissverständlich klar gemacht, dass sich Wattens in keiner Weise an den Kosten für die Bundesligatauglichkeit beteiligen wird.
Auch das Büro von Landeshauptmann Anton Mattle und der für Sport zuständige Landeshauptmannstellvertreter Philip Wohlgemuth waren informiert. Im neuen Pachtvertrag verpflichtete sich die Marktgemeinde Wattens außerdem, die WSG auf 20 Jahre mit 200.000 Euro jährlich zu unterstützen.
Ende Juni fahren im Gernot-Langes-Stadion die Bagger auf und beginnen mit den Vorarbeiten für den Einbau der von der Bundesliga vorgeschriebenen Rasenheizung. Der Rasen muss im August fertig gepflanzt sein, damit er bis zum Winter ausreichend Zeit zum Wachsen hat. Ab September sollten die Tribünen errichtet und adaptiert werden sowie die technische Ausstattung auf Bundesliganiveau gebracht werden. Das Ziel der WSG: Zum Start der Rückrunde im Spätwinter 2026/27 das erste Heimspiel in Wattens auszutragen.
Ende Juli teilt WSG-Geschäftsführer Julian Heiss unserem Bürgermeister überraschend mit, dass die Finanzierung des Gesamtprojekts nicht gesichert sei. Es brauche eine Haftungsübernahme der Gemeinde. Der Bürgermeister informiert den Gemeinderat, organisiert ein Treffen zwischen WSG und Gemeinderat und ersucht die WSG um schriftliche Unterlagen zur Entscheidungsfindung. Außerdem beruft er umgehend eine Sondersitzung ein. Dort kommt die von der WSG kurzfristig geforderte Haftungsübernahme von einer Million Euro auf zehn Jahre zur Abstimmung.
Hohe Haftungssumme, hohes Risiko
Während die Altparteien aus ÖVP, FPÖ, SPÖ sowie die Mandatarin von MFG die Gemeinde ohne belastbare Grundlage in eine Haftung von einer Millionen Euro geschickt hätten, lehnte die Mehrheit von elf Mandatarinnen und Mandataren die Haftungsübernahme ab.
Die Begründung:
1. Die Gemeinde hätte als einzige Partnerin eine Haftung übernehmen sollen. Niemand sonst wäre in diese Verantwortung gegangen.
2. Es fehlten wesentliche Unterlagen der WSG (z.B. Finanzierungsangebote der Banken, Sponsorverträge).
3. Das Risiko, was in zehn Jahren Profifußball in Österreich alles passieren könnte, war zu hoch.
4. Die Gemeinde könnte die Haftung nicht selbst finanzieren, wenn sie fällig wird, sondern müsste ihrerseits einen Kredit aufnehmen und würde damit Teile ihrer Kernaufgaben vernachlässigen müssen.
Dass die WSG der Gemeinde einen Mehrwert bringt, bleibt bei der Entscheidung unbestritten. Die Vorteile, dass die WSG ihre Heimspiele wieder in Wattens austragen kann, hatten zur Zustimmung des Gemeinderats zur bundesligatauglichen Adaptierung im März geführt. Der Bürgermeister hatte in den damaligen Verhandlungen persönlich die Schaffung von Parkplätzen und die Errichtung eines Gehweges entlang der Südseite des Stadions erreicht. Übrigens: Obwohl konkrete Pläne für einen Gehsteig zum Schwimmbad bereits seit 2016 vorlagen, haben sie die mit absoluter Mehrheit regierende ÖVP unter Ex-Bürgermeister Oberbeirsteiner und die Altparteien FPÖ und SPÖ bis heute nicht verfolgt, geschweige denn umgesetzt.
Profi-GmbH vs. Gemeinde
Die Bürgerliste neu und eine Mehrheit des Gemeinderates sehen es nicht als Aufgabe der Gemeinde, Profifußball und Investitionen einer GmbH zu finanzieren. Auch wenn ein bundesligataugliches Gernot-Langes-Stadion langfristig im Eigentum der Gemeinde bleibt: Der Nutzen im Stadion liegt ausschließlich beim Profibetrieb der WSG Tirol. Die Gemeinde hat kaum Möglichkeiten, ein bundesligataugliches Stadion wirtschaftlich zu verwerten. Die Haftungssumme von einer Million Euro ließe sich also im Fall des Falles nicht finanzieren, sondern müsste von der Allgemeinheit bezahlt werden – zulasten von Pflege, Kinderbetreuung, Wasserversorgung oder Freizeitangeboten.
Klar ist, dass die Gemeinde den Breiten- und Nachwuchsfußball unterstützt. Deshalb überweist die Marktgemeinde Wattens jährlich 200.000 Euro an die WSG. Dazu kommen bis 2029 weitere 200.000 Euro jährlich, um die Kosten für die Sanierung des Trainingsareals 2019 mitzufinanzieren. Derzeit überweist die Marktgemeinde Wattens also 400.000 Euro jährlich an die WSG. Im neuen Pachtvertrag hat sich die Gemeinde erneut verpflichtet, die WSG mit 200.000 Euro jährlich zu unterstützen, und das auf 20 Jahre. Damit fließen von 2019 bis 2046 über sieben Millionen Euro an die WSG, während ihr das Trainingsareal und das Gernot-Langes-Stadion – beides im Eigentum der Öffentlichkeit – grundsätzlich uneingeschränkt zur Verfügung stehen.
Der neue Pachtvertrag sieht einen nach Profibetrieb bzw. Ligazugehörigkeit gestaffelten Pachtzins vor: In der höchsten Liga fällt in den ersten fünf Jahren ein jährlicher Pachtzins von 7.500 Euro an. Im sechsten Jahr wird der Pachtzins auf 10.000 Euro angepasst, im 15. Jahr auf 15.000 Euro. In der zweiten Liga beträgt der jährliche Pachtzins 3.500 Euro. In der dritten Liga und darunter beträgt der Pachtzins einen Euro. Im alten Pachtvertrag war der Pachtzins pauschal auf einen Euro festgesetzt gewesen.
Und jetzt?
Mit ihrem Vorgehen hinterlässt die bezahlte Klubführung der WSG Tirol nicht nur im Gernot-Langes-Stadion viel verbrannte Erde. Trotz der respektlosen, diffamierenden und zum Teil beleidigenden Aussagen von der WSG selbst und von ihrem Umfeld, sucht unsere Bürgerliste neu aktiv das Gespräch mit den Verantwortlichen. Wir stehen zu unserer grundsätzlichen Zustimmung zur bundesligatauglichen Adaptierung des Gernot-Langes-Stadions. Allerdings ist zu den zwei Bedingungen – gesicherte Finanzierung und keine finanzielle Beteiligung der Gemeinde – eine weitere hinzugekommen: die Rückkehr der WSG zum fair play. Mit allem, was dazugehört.


Treffend und verständlich formuliertes Feedback seitens der Gemeinde !
Lukas,gratuliere zu dieser Entscheidung.
lG Poschn Luis
Dieser Artikel ist keine sachliche Aufklärung, sondern eine politische Rechtfertigungsschrift der Bürgermeisterliste „neu“. Schon die Behauptung, man habe nicht „blind eine Million Euro übernommen“, verdreht den Sachverhalt: Es ging nicht um eine Million Euro als Geschenk, sondern um eine zeitlich begrenzte Ausfallshaftung.
Ebenso falsch ist die Darstellung, der Nutzen liege ausschließlich beim Profifußball. Das Stadion gehört der Gemeinde, und die Investition von rund 6,7 Millionen Euro wäre dauerhaft im Eigentum von Wattens geblieben. Dazu wären etwa 135 Parkplätze, zusätzliche Einnahmen, ein neuer Gehsteig und weitere Nutzungsmöglichkeiten gekommen. All das wird geflissentlich kleingeredet oder verschwiegen.
Besonders billig ist der Versuch, die WSG gegen Pflege, Kinderbetreuung und Wasserversorgung auszuspielen. Diese Bereiche hätten nur dann Geld verloren, wenn die Haftung tatsächlich schlagend geworden wäre. Über Sicherheiten, Kontrollrechte, eine geringere Haftung oder eine Vertagung wurde offenbar nicht ernsthaft verhandelt.
Dass sich inzwischen sogar das Land Tirol eingeschaltet hat und versucht, durch vorgezogene Förderungen eine Lösung zu ermöglichen, zeigt deutlich, welche Bedeutung die WSG und das Stadionprojekt weit über Wattens hinaus haben. Während das Land nach einer konkreten finanziellen Möglichkeit sucht, beschäftigt sich die Bürgermeisterliste hauptsächlich damit, ihr Nein nachträglich zu rechtfertigen und die Verantwortung beim Verein abzuladen.
Geradezu scheinheilig ist der abwertende Hinweis auf die „bezahlte Klubführung“. Auch der Bürgermeister und die Mitglieder des Gemeindevorstandes üben ihre politischen Funktionen nicht völlig unentgeltlich aus, sondern erhalten dafür Bezüge beziehungsweise Entschädigungen. Dass ein Profiverein ein bezahltes Management beschäftigt, ist außerdem weder überraschend noch verwerflich, sondern für einen Bundesligisten selbstverständlich. Mit dieser Formulierung soll offenbar bewusst Neid erzeugt und die Klubführung herabgesetzt werden.
Wer politische Mitbewerber als „Altparteien“ beschimpft, der WSG verbrannte Erde vorwirft und gleichzeitig „Fair Play“ verlangt, macht sich unglaubwürdig.
Die WSG wollte Millionen in das Eigentum der Gemeinde investieren. Die Bürgermeisterliste sagt Nein und versucht nun, die Verantwortung allein dem Verein zuzuschieben. Für mich ist dieser Artikel daher weniger eine Erklärung als eine durchschaubare Mischung aus Schuldabwehr, Stimmungsmache und politischer Selbstinszenierung. Verantwortung übernehmen sieht anders aus!
Wenn man in den letzten Tagen schon so viel Zeit in die WSG und das Gernot Langes Stadion investiert.
Sollte es auch möglich sein, auf der Homepage die Team Liste Neu zu aktualisieren.
Da sind ja mehrere gar nicht mehr im Gemeinderats Team.
Bravo für diesen sehr guten Artikel !!! Wobei noch eine Anmerkung zur so genannten „Unbefangenheit“ des Herrn Bürgermeisters leider fehlt, denn der Herr Bürgermeister ist bekennender „Wacker Innsbruck Fan“, wobei außerdem vergessen wird dass ein gewisser Herr LANGES SWAROVSKI der Geldgeber und Förderer des Wacker Innsbruck war und den man aus lauter „Dankbarkeit“ vor Gericht gezerrt hat !!!
Aha, man unterstellt dem Bürgermeister Befangenheit weil er anscheinend Wacker Innsbruck Fan ist? Echt jetzt? Und was hat die alte Geschichte jetzt mit dem aktuellen Thema zu tun?
Und by the way, der damalige Nachfolgeverein des FC Tirol, der FC Wacker Tirol, hat damals Gernot Langes nicht vor Gericht „gezerrt“. Gerichtliche Forderungen kamen hingegen von Seiten des Masseverwalters bzw. ging Langes selbst gegen damalige Verantwortliche des FC Tirol vor.
Von meiner Seite ein großes Lob an die Gemeindeführung, daß sie zu den im März ausverhandelten Bedingungen (kein zusätzliches Geld/Sicherstellungen von Seiten der Gemeinde) auch nach wie vor stehen! Ich sehe es auch als ein „fair-play“ unseren vielen anderen Vereinen in Wattens gegenüber. Mit freundlichen Grüßen, Prem Fref
Gute und nachvollziehbare Entscheidung auf Basis von Fakten und nicht auf Basis von Emotionen oder Präferenzen.
Lukas – Gratulation zu dieser guten Entscheidung.
Gratuliere, eine gute Entscheidung der Gemeindeführung. Der jämmerliche Kommentar von Ewald Mazurides ist entbehrlich.
Gratuliere der Gemeindeführung für die sehr gute Entscheidung.